Hinweise zum Anbausystem mehrjähriger Wildpflanzen

Die Etablierung des landwirtschaftlichen Produktionssystems „Mehrjähriger Wildpflanzenanbau“ in Niedersachsen ist mit der Zielsetzung verbunden, eine ökologisch wertvolle und gleichzeitig ökonomisch tragbare Ergänzung zum Anbau von konventionellen Energiepflanzen (wie zum Beispiel Mais oder Grünroggen) zu entwickeln. So können arten- und strukturreiche Lebensräume für Insekten und Wildtiere entstehen bei gleichzeitig ressourcenschonender Biogasproduktion.

Das hier vorgestellte Anbausystem basiert auf den Ergebnissen und Erfahrungswerten aus den vergangenen Praxisprojekten der Landesjägerschaft Niedersachsen und des 3N Kompetenzzentrums. Ziel der mehrjährigen Wildpflanzenmischung ist eine risikoarme Bestandsetablierung. Dafür geeignet sind als Vorfrucht eine frühräumende Wintergerste sowie Triticale und Weizen oder Getreideganzpflanzensilage (GPS) geeignet.

Wichtig: Der Schnitt der Getreidestoppel muss so kurz wie möglich bei der Ernte von Getreide oder GPS erfolgen und das Stroh sauber entfernt sein!

Der Flächenertrag wird im Anbaujahr über die Hauptkultur Getreide oder GPS (Ernte in der Teigreife) erzielt, daher auch die Codierung im GAP Antrag als Getreide. Die Mischung bringt im Aussaatjahr keinen nutzbaren Biomasseertrag, dieser wird ausschließlich über die GPS- Kultur erzielt. Im Aussaatjahr dient die Fläche bereits Flora und Fauna als Blühfläche bis in den Winter hinein.

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Flächenauswahl

Die mehrjährige Mischung (z.B. Blüh- und Energie- Opti der Firma Saaten Zeller) kann aufgrund der hohen Artenzahl (21) auf zahlreichen Standorten von feucht/ frisch bis trocken angebaut werden.

Bei den herbiziden Maßnahmen in der Vorfrucht Getreide keine Sulfonylharnstoffe einsetzen!

Nutzungsdauer

Die Standzeit der mehrjährigen Wildpflanzen muss min. 3 und kann bis zu 5 Jahre betragen. Nach dem Umbruch ist eine stickstoffzehrende Ackerkultur anzubauen.

Saatgutempfehlung

Die Richtlinie zur Förderung des mehrjährigen Wildpflanzenanbaus in Niedersachsen stellt Mindestanforderungen an die Saatgutmischungen. Sie muss mindestens 15 der nachfolgenden Pflanzenarten beinhalten. Des Weiteren ist die Saatgutmischung ausschließlich aus zertifiziertem Saatgut gesicherter deutscher Herkünfte zusammenzustellen. Die Hersteller des Saatgutes müssen entweder über das VWW Regiosaaten- oder über das RegioZert-Zertifikat verfügen. 

Zugelassene Pflanzenarten
Zugelassene Pflanzenarten


Erfahrungswerte aus dem Emsland zeigen, dass durch eine Zumischung einjähriger, schnellwüchsiger Kulturpflanzen wie Buchweizen (4 kg/ha), Phacelia (0,5 kg/ha) und Sonnenblumensaat (0,5 kg/ha) eine schnellere Bodenbedeckung erzielt wird und die gleichzeitige Beikrautunterdrückung sich günstig auf die Bestandentwicklung auswirkt. Da die Zumischung auch noch im Spätsommer Blüten bildet, bieten die Bestände bereits in den ersten Monaten ein gutes Nahrungsangebot für Bienen und weitere Insekten.

Wildpflanzenbestand + Zumischung im Ansaatjahr (September) © Johann Högemann

Die Wildpflanzenmischungen Blüh- und Energie- Opti (Optimierte BG 70/ 90 der Firma Saaten Zeller) entspricht zum Beispiel den Voraussetzungen der Richtlinie und wurde speziell für den Anbau von Wildpflanzen zur energetischen Nutzung entwickelt.

Bewirtschaftung

Aussaat

Die Sommersaat erfolgt in der Regel Mitte Juli bis Anfang August nach Aberntung der Getreide/ GPS Fläche, ohne jegliche Bodenbearbeitung und direkt in die Stoppel mit anschließendem Anwalzen.

Saatgut von Wildpflanzen
Saatgut von Wildpflanzen
Die Saatstärke von 10 kg/ha (Blüh- oder Energie- Opti) plus 5 kg/ha (Zumischung Bodenbedeckung) stellt keine besonderen Ansprüche an die Technik. Alle Schar-u. Scheibenschar Drillmaschinen eignen sich für die Aussaat. Pneumatische Drillmaschinen kommen mit kleinen Saatmengen problemlos zurecht. Durch Abschalten der Rührwelle wird das Entmischen des Saatgutes bei den meisten Sämaschinentypen vermieden. Auf „Schneckenstandorten“ sind gegebenenfalls besondere Maßnahmen erforderlich. Da sehr viele äußerst feinkörnige Lichtkeimer in der Mischung enthalten sind, muss diese unbedingt auf die Oberfläche gesät werden. Es gilt, die Samen wollen nach der Saat den „Himmel sehen“.

Das heißt für die Praxis, dass die Säschare nur flach über dem Boden laufen (keine Bodenöffnung) und der Striegel auf wenig Griff eingestellt wird. Nach der Saat ist die Fläche zu walzen, um eine Rückverfestigung des Saatbettes zu erreichen. Die Aussaat erfolgt auch bei trockenem Boden, da die Kapillarkraft im Boden durch nicht erfolgte Bodenbearbeitung gegeben ist. Die Keimung und Etablierung der Stauden benötigt in Abhängigkeit von den Boden- und Witterungsverhältnissen mehrere Wochen bis Monate.


Düngung und Bestandspflege

Bei Neuanlage einer Fläche ist im Jahr der Aussaat die Stickstoff- Düngung untersagt.

Die Nährstoffversorgung kann in den Folgejahren sowohl mineralisch als auch organisch in Form von Gärresten oder Gülle erfolgen. Ab dem zweiten Standjahr sind maximal 150 kg Nges/ha als jährlicher Düngebedarf anzusetzen.

Der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln ist untersagt. Ausnahme hiervon ist die einmalige Anwendung einer Maßnahme zur Bekämpfung von Gräsern im Aussaatjahr oder im darauffolgenden Frühjahr (anzeigepflichtig innerhalb von fünf Werktagen). Bei starkem Auftreten von Ackerbegleitkulturen (Problemunkräutern) ist ein Pflegeschnitt durch hohes Abschlägeln zulässig (anzeigepflichtig innerhalb von fünf Werktagen). Bewässerungsmaßnahmen sowie der Einsatz von Klärschlamm sind untersagt.



Bestand im Januar © Johann Högemann


Aufwuchs im April © Johann Högemann


Blühende Altbestände © Johann Högemann


Ernte

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Sie wird mit praxisüblichen Maschinen, zum Bsp. mit einem Ganzpflanzen-Erntevorsatz und Seitentrennmesser vorm Häcksler durchgeführt. Der optimale Erntetermin mit rd. 30 % TS wird in der Regel im Juli und/oder August erreicht. Nach dem Umbruch wird empfohlen eine stickstoffzehrende Ackerkultur anzubauen.

Die Ernte der Wildpflanzenmischung muss laut Richtlinie jährlich (außer im Ansaatjahr) erfolgen. Ein Teilstreifen (max. 10 % des Schlages) kann unbeerntet bleiben als Rückzugsgebiete für Insekten und Wildtiere.

Weitere Angaben finden Sie in der Richtline [pdf; 6,11 MB]

Ernte © Johann Högemann

Anbauhinweise zum Download [pdf; 0,3 MB]

Quelle: Johann Högemann, Bearbeitung: Carolin Brathe